Zum Abschluss der Unterrichtsreihe „Sakrale Bauten – wenn Glaube Gestalt annimmt“ beschäftigte sich der katholische Religionskurs der Jahrgangsstufe 10 von Frau Kemper mit der Frage, was aus Kirchenräumen wird, in denen keine Gottesdienste mehr stattfinden. Um dieser Frage nachzugehen, besuchte der Kurs am 9.7. die Tafelkirche in Oberhausen.

Die Kirche wurde zwischen 1955 und 1958 nach den Plänen der Architekten Rudolf Schwarz und Josef Bernard erbaut. Mit ihrer quadratischen Hallenform und dem zentral angeordneten Altar gilt sie als ein außergewöhnliches Beispiel moderner Kirchenarchitektur. Der Altar bildet den Mittelpunkt des Kirchenraums, um den sich die Gemeinde während der Gottesdienste auf drei Seiten versammelte. Dadurch entstand eine besondere Nähe zwischen Pfarrer und Gemeinde, die das gemeinsame Feiern des Gottesdienstes und das Gemeinschaftsgefühl in den Vordergrund stellte. Charakteristisch sind außerdem die zahlreichen gleichmäßig angeordneten bunten Kirchenfenster, die wesentlich dazu beigetragen haben, dass das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Seit rund 20 Jahren werden in der Kirche keine Messen mehr gefeiert, sie wurde jedoch nicht entweiht. Seit 2007 ist das Gebäude die zentrale Ausgabestelle der Oberhausener Tafel. An drei Tagen in der Woche werden dort ausschließlich bedürftige Oberhausenerinnen und Oberhausener mit Lebensmitteln versorgt.

Während des Besuchs herrschte reger Betrieb. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sortierten Lebensmittel, lagerten Waren ein und bereiteten die Ausgabe vor. Mitten im Kirchenraum befinden sich mehrere Kühlcontainer, in denen die Lebensmittel gelagert werden. Über diesem geschäftigen Treiben wachen noch immer die Heiligenfiguren an den Wänden – ein eindrucksvolles Zeichen dafür, dass der karitative Auftrag der Kirche an diesem Ort bis heute weiterlebt.

Seit 2022 setzt sich ein Förderverein dafür ein, die Tafelkirche zu einem sozialen und kulturellen Begegnungszentrum für das Viertel weiterzuentwickeln. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Ferienprojekt „go(o)d kitchen – gemeinsam bauen & kochen“, bei dem Jugendliche gemeinsam bauen, kochen und Gemeinschaft erleben. Während des Besuchs wurde das Projekt den Schülerinnen und Schülern vorgestellt und dafür geworben. Wer in den Sommerferien noch mitmachen möchte, kann sich weiterhin anmelden.

Der Besuch machte den Schülerinnen und Schülern deutlich, dass ein Kirchenraum auch dann eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe erfüllen kann, wenn dort keine Gottesdienste mehr stattfinden. Sie konnten erleben, wie soziales Engagement, ehrenamtlicher Einsatz und christliche Nächstenliebe an diesem besonderen Ort auf eindrucksvolle Weise miteinander verbunden werden.

KPR