Am 16. April besuchte der katholische Religionskurs der Jahrgangsstufe 10 gemeinsam mit Frau Kemper den Essener Dom. Im Mittelpunkt stand dabei die außergewöhnliche Rolle von Frauen im Mittelalter – besonders eindrucksvoll am Beispiel des Essener Frauenstifts. Dieses Frauenstift war weit mehr als ein religiöser Ort: Adlige Frauen lebten hier in einer eigenständigen Gemeinschaft, erhielten eine hervorragende Bildung und konnten Einfluss auf Kirche, Kultur und Politik nehmen – eine für das Mittelalter ungewöhnlich starke Position. Besonders prägend war die Äbtissin Mathilde, eine Enkelin Ottos des Großen. Unter ihrer Leitung wurde das Stift nicht nur geistlich, sondern auch politisch und baulich bedeutend weiterentwickelt – ein sichtbares Zeichen weiblicher Macht und Verantwortung in einer Zeit, in der dies keineswegs selbstverständlich war. Auch die Architektur spiegelt diesen Anspruch wider: Die wehrhafte Westfront und die markanten Türme zeigen Schutz und Repräsentation zugleich. Im Inneren wurde die berühmte „Goldene Madonna“ betrachtet – rund 1050 Jahre alt und damit die älteste erhaltene vollplastische Marienfigur der Welt. Sie steht sinnbildlich für den einstigen Reichtum und die kulturelle Bedeutung des Frauenstifts. So wurde deutlich: Der Essener Dom ist nicht nur ein Gotteshaus, sondern auch ein Ort weiblicher Bildung, Gestaltungskraft und außergewöhnlicher Geschichte.

KEM